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Armin Mueller-Stahl – ein Künstlerleben das nicht in e i n e n Katalog passt

Wer den Namen Armin Mueller-Stahl hört, mag an einen begnadeten Schauspieler, einen ebenso talentierten Konzert-Geiger und Liedermacher, einen wortgewandten Schriftsteller oder an einen ausdrucksstarken Maler denken. Tatsächlich haben alle recht. Mueller-Stahl ist einer der wenigen Multi-Künstler und Universalgenies unserer Zeit. Kein Wunder, dass wir -den aktuellen Grafikkatalog des Künstlers vor Augen- einfach feststellen müssen, dass ein Katalog nicht ausreicht, um dieses reiche Künstler-Leben zu umfassen.

Wir stellen uns immer wieder die Frage, ob man als mehrfachbegabter Mensch auf die Welt kommt oder zu einem solchen wird. Bei Mueller-Stahl kommt noch hinzu, dass sein Leben wie kaum ein anderes Künstlerleben auch ein Stück deutsch-deutsche Geschichte repräsentiert. Wer sich näher mit dem geborenen Ostpreußen auseinandersetzt, stellt vor allem eines fest: Hier ist ein Mensch, der sich in einem aktiv gelebten Dasein auch von den Tälern und Bergspitzen des Lebens inspirieren lässt.

Mueller-Stahl scheint sich immer wieder neu zu erfinden, und er geht beharrlich seinen Weg. Mögen manchmal seine bildkünstlerischen Werke oder seine Lieder auch ein Hauch von Melancholie umwehen, bleibt Mueller-Stahl sich selbst und seiner künstlerischen Ausdruckskraft stets treu. Vielleicht denkt und handelt der einzigartige Künstler immer noch nach diesem Grundsatz, den er einmal geäußert hat: „Ich habe gelernt, und danach lebe ich: Haare auf dem Kopf sind schön, auf den Zähnen sind sie wichtiger“. Man könnte auch sagen, vielleicht ist es das Geheimnis eines so erfolgreichen Lebens, dass jemand nie aufhört zu lernen und immer neugierig bleibt. Dabei lernt man auch, immer weiter zu machen.

Der Musiklehrer, der wegen „mangelnder Begabung“ sein Schauspielstudium abbrechen musste

Geboren ist Armin Mueller-Stahl am 17. Dezember 1930 in Tilsit in Ostpreußen. Mit seinen 4 Geschwistern war er in eine musische Familie hineingeboren worden. Sein Vater, ein Bankkaufmann hatte ursprünglich Schauspieler werden wollen und förderte daher auch die musischen Talente seiner Kinder. Auch die Mutter, eine Ärztin stand Musik, Literatur und anderen schönen Künsten aufgeschlossen gegenüber. Die Biografien über Armin Mueller-Stahl beschreiben, bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und der Einziehung seines Vaters in die Armee, eine unbeschwerte Kindheit.  Im Jahre 1938 war die Familie von Tilsit nach Prenzlau gezogen. Die Kriegszeit hielt einige traumatische Erlebnisse für den Künstler bereit. So starb sein Vater zunächst ohne das Wissen der Familie noch am 1. Mai 1945 in einem Lazarett, vermutlich, weil deutsche Soldaten ihn für einen Deserteur gehalten hatten. Armin selbst war 1944 als 14-jähriger von einem russischen Soldaten nahe Rostock mit seiner Mutter auf der Flucht als vermeintlicher Hitlerjunge mit Erschießung bedroht worden. Ein ehemaliger polnischer Kriegsgefangener rettete ihm das Leben.

1948 zog Mueller-Stahl als frisch-gebackener Abiturient nach Berlin und studierte im ehemaligen Ostteil der Stadt am Städtischen Konservatorium Geige und Musikwissenschaft. Er bestand 1949 das Musiklehrer-Examen. Wir möchten uns gar nicht vorstellen, was uns entgangen wäre, wenn Armin Mueller Stahl sein ganzes Leben über Musikpädagoge geblieben wäre. Er entschied sich nach einem Jahr dafür, ein Schauspielstudium zu beginnen. Dieses musste er wegen vermeintlich „mangelnder Begabung“ abbrechen. Anscheinend hat ihn dieser kleine frühe Bruch in seiner Biografie nicht beeindruckt. Vielleicht tröstete es ihn, dass auch Manfred Krug, sein späterer Weggefährte als bekannter DDR-Schauspieler, von der Schauspielschule flog.

Mueller-Stahl wurde 1952 das erste Mal im Berliner Theater am Schiffbauerdamm fest engagiert. Der angeblich unbegabte Schauspieler wurde schnell bekannt und zu einem gut bezahlten Schauspieler in der DDR. Zeitweilig war er im Vergleich mit allen anderen DDR-Schauspielern am meisten gefragt und am besten bezahlt. Hier gab sich Mueller-Stahl auch nicht nur mehr mit dem Theaterspiel zufrieden.

Seine Karriere als Film- und Fernsehschauspieler begann 1960. Es waren insbesondere DEFA-Produktionen, wie beispielsweise der Film „Nackt unter Wölfen“, die seinen Erfolg in Film und Fernsehen rasch vorantrieben. Zu DDR-Zeiten spielte der Schauspieler Mueller-Stahl rund 60 Hauptrollen. Zahlreiche Preise, unter anderem der Nationalpreis zweiter Klasse zeugen von seinem überragenden Erfolg. Er wurde fünfmal hintereinander von den Zuschauern zum beliebtesten Schauspieler der DDR gekürt.

Ab 1976 Berufsverbot in der DDR

Schwer getroffen haben muss ihn hier ein dreijähriges Berufsverbot auf dem Höhepunkt seiner DDR-Karriere, das er 1976 erhielt, als er an der Ausbürgerung von Wolf Biermann öffentlich Kritik äußerte. Diese Erlebnisse verarbeitete Mueller-Stahl auch in seinem Roman „Verordneter Sonntag“.

Vom Osten in den Westen und nach Hollywood

Im Jahre 1980 reiste Armin Mueller Stahl aus der DDR aus, zunächst nach Westberlin und dann nach Schleswig-Holstein. Es spricht für diesen hochbegabten Schauspieler, dass er nach seiner Übersiedlung in den Westen an seine Erfolge in der DDR anknüpfen konnte. Legendär ist beispielsweise seine Rolle im Film „LOLA“ unter der Regie von Werner Fassbinder. Hier brachte ihm prompt seine Darstellung des Baudezernenten von Bohm den Bundesfilmpreis ein. Es schlossen sich viele weitere Rollen in bekannten und anspruchsvollen Filmen an. Dabei sei als kleine Anekdote erwähnt, dass Mueller-Stahl die Rolle des Professor Brinkmann in der beliebt-berüchtigten Fernserie „Schwarzwaldklinik“ – einer der ersten Soap Operas im deutschen Fernsehen – abgelehnt hat.

Fernsehzuschauern bleibt Armin Mueller Stahl vor allem in der Rolle des Schriftstellers Thomas Mann in lebhafter Erinnerung. Der Dreiteiler „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ – konnte nicht zuletzt durch die herausragende Leistung von Mueller-Stahl in der Hauptrolle 2002 einen Emmy in New York erringen. Auch der Adolf-Grimme-Preis und der Deutsche Fernsehpreis gingen an die exzellente Produktion.

Es verwundert deshalb nicht, dass Hollywood auf ihn aufmerksam wurde. Mueller-Stahl spielte hier in einigen anspruchsvollen und auch an den Kinokassen erfolgreichen Produktionen wie beispielsweise 2007 in „Tödliche Versprechen“ oder 2009 in „Illuminati“ und „Leningrad – die Blockade“ mit. Im Jahr 2006 erklärte der Schauspieler, dass er seine schauspielerische Karriere beenden wolle und nur noch in wenigen Produktion mitspielen werde. Zu diesen wenigen Produktion zählte 2007 die Fernsehserie „Die Buddenbrooks“ nach Thomas Mann.

Armin-Mueller-Stahl-Graphikkatalog-Juni-2021

 

Der begnadete bildnerische Künstler und Musiker

Wer nun erwartet hätte, dass Mueller-Stahl sich nach Beendigung seiner schauspielerischen Karriere zur Ruhe setzen würde, irrte. Bereits 2001 stellte der vielseitig begabte Künstler in einer Ausstellung eigene Bilder vor. In mehr als 100 ausgestellten Werken erschloss sich das bildnerische Werk des Ausnahmekünstlers. Dabei war von Anfang an interessant, dass er in seinen Grafiken und Bildern immer wieder Bezüge zu biografischen Erlebnissen, zu anderen Künstlern, zu seinen Filmen, zu Thomas Mann und vielen weiteren Themen herstellte, die ihn beschäftigen.

Auch als Musiker begeistert Mueller-Stahl. Das gilt nicht nur für sein Geigenspiel. Sein Debüt-Album “ Es gibt Tage…“ mit Liedern, die in 45 Jahren DDR entstanden waren, veröffentlichte er 2010. Ab 2011 ging er mit einem Lieder-Programm auf Tournee und bereiste hier vor allem viele ostdeutsche Städte. Das Publikum liebt ihn.

Der stille Mann im privaten und der nimmermüde Kunstschaffende

So facettenreich wie sich der Künstler Mueller-Stahl in seinem künstlerischen Schaffen auch noch als Autor und Regisseur zeigt, so beständig und unaufgeregt ist sein Privatleben. Es ist bereits seit 1973 mit seiner jetzigen Frau verheiratet und hat einen Sohn. Armin Mueller-Stahl ist weltweit angesehen und beliebt. Seine Geburtsstadt Tilsit – jetzt das russische Sowetsk – verlieh ihm 2011 die Ehrenbürgerschaft. Der Künstler hat Wohnsitze in Schleswig-Holstein an der Ostsee, in Berlin und in Kalifornien.

Jedes Jahr dürfen wir uns über neue Lithografien, Radierungen und viele weitere bildkünstlerische Werke freuen. Die künstlerische Kraft in Armin Mueller-Stahl ist ungebrochen. Jung geblieben und altersweise zugleich verarbeitet der Künstler noch immer zahlreiche Eindrücke seines Lebens, seine Begeisterung für andere Künstler Persönlichkeiten, für Filmszenen und die Theaterbühne. Thomas Mann lässt ihn nicht mehr los und wurde öfter Thema in seinen Bildwerken.

Legendär sind inzwischen seine Portraits berühmter Persönlichkeiten, die durch einen besonders sparsamen Strich einen Zeichner erkennen lassen der sein Handwerk perfekt versteht. Von Armin Mueller-Stahl porträtierte Persönlichkeit sind zum Beispiel Thomas Mann, Andy Warhol, Nelson Mandela, Albert Einstein, Ludwig van Beethoven, Helmut Schmidt, Käthe Kollwitz, Marlene Dietrich und viele weitere. Zahlreiche Selbstportraits gehören ebenfalls zu seinem Repertoire. Der Künstler hat inzwischen ein bildnerisches Werk geschaffen, das in seiner Vielfalt seinesgleichen sucht. Armin Mueller-Stahl meint dabei nicht ohne Koketterie und mit der ihm eigenen Bescheidenheit über seine eigene Bedeutung: „Ich fürchte, dass mein Tod nicht bemerkt wird, außer durch meine zurückgelassene Unordnung.“

Dabei scheint dieses künstlerisch so reiche Werk nicht einmal in  e i n  einziges Leben zu passen. Armin Mueller-Stahl lässt uns immer wieder demütig und ehrfürchtig werden angesichts eines so intensiv schöpferisch gelebten Daseins und einer wohl kaum erreichbaren Beharrlichkeit. Chapeau Armin!

Hier herunterladen: Katalog Graphikeditionen – Armin Mueller-Stahl als pdf!
Weitere Informationen zu Armin Mueller-Stahl und seiner Kunst erhalten Sie jederzeit gerne auch bei einem persönlichem Gespräch mit dem Team des Kunsthandel Koenen ART NETWORK.