Als Schriftsteller gehört Günter Grass zu den bekanntesten Vertretern der deutschen Nachkriegsliteratur in der Bundesrepublik Deutschland. 2015 verstorben, erinnern sich heute noch viele Kulturinteressierte hauptsächlich an den Autor Grass. Am 16. Oktober dieses Jahres würde er seinen 96. Geburtstag feiern. Eine Gelegenheit, nicht nur an den Schriftsteller, sondern auch an den Grafiker, Maler und Bildhauer zu erinnern.
Unbequem, intellektuell und vielseitig begabt

Zu Lebzeiten und darüber hinaus fordern das Werk und die Person von Grass zu Kontroversen heraus. Prägend für das gesamte Verständnis von Persönlichkeit und Werk war der Verlust seiner Heimat. 1927 in Danzig geboren, gehört Grass zur Generation der Vertriebenen. Folgerichtig war es der Nationalsozialismus, den er vorrangig in seinen Büchern wie „Die Blechtrommel“ zum Thema machte.
Günter Grass mischte sich mit Verve und vermeintlichen Tabubrüchen in die Tagespolitik ein. Seine Popularität als Schriftsteller verlieh seiner Stimme eine moralische Autorität. Politisch hat er sich dabei primär für die SPD engagiert. Immer wieder löste er bewusst Kontroversen aus, beispielsweise 2012 mit seinem Gedicht „Was gesagt werden muss“. Darin kritisierte er Israel und dessen Bewaffnung mit Kernwaffen. In der Folge wurde er in dem jüdischen Staat zur Persona non grata.
Es greift zu kurz, Grass als den typischen linken Intellektuellen zu begreifen. Seine Bücher, Schriften und Aussagen transzendieren das Politische. Menschliche Konflikte, die vielleicht auch von inneren Konflikten des Schriftstellers selbst herrührten, spielen eine ebenso große Rolle.

Die Transzendenz dieser Literatur wurde 1999 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt. Ebenso kann man aus heutiger Sicht sagen, dass Günter Grass sich jederzeit zutraute, eine eigene Meinung zu vertreten. Betrachtet man die heutige politische Landschaft, ist das nicht selbstverständlich.
Die Biografie des Künstlers ist nicht ohne Brüche. Er hat sich beispielsweise mit 17 Jahren, im Jahre 1944 freiwillig zur Wehrmacht gemeldet, er wurde zur Waffen-SS eingezogen. So geriet er 1946 in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft. Man hat ihm später zeitweilig vorgeworfen, er habe seine Mitgliedschaft bei der Waffen-SS zu lange verschwiegen. Umfassend aufgearbeitet hat der Künstler diese Zeit literarisch schließlich 2006 in dem autobiografischen Buch „Beim Häuten der Zwiebel“. Man spürt bei diesem Werk die inneren Bewegungen des Menschen Grass im Umgang mit schwierigen Lebensphasen. Hier häutete sich jemand buchstäblich.

Wenn man so will, zeigt sich bei Günter Grass ein deutsches Leben mit den inneren Konflikten und Erfahrungen, die charakteristisch für eine bestimmte Generation waren. Schon deshalb kommt man an dem Autor Günter Grass nicht vorbei. Dabei ist es gleich, ob man seine Bücher mag oder nicht. Seine Schriftwerke sind auf ihre Art und Weise längst zu Klassikern und Zeitzeugen geworden. Sie haben dem verstorbenen Autor seinen legitimen Platz in der deutschen Nachkriegsliteratur gesichert.
Viel weniger in den Vordergrund ist der bildende Künstler Grass als Bildhauer und Maler getreten. Dabei begann Günter Grass seine künstlerische Laufbahn mit Plastiken und Bildern. Er hat unter anderem in Düsseldorf und Berlin Bildhauerei studiert. Erst nach ersten Erfolgen mit größeren Ausstellungen wandte er sich der Schriftstellerei zu.
Grass und die Kunst

Wie in seinen Büchern zeigt Grass in der bildenden Kunst herausragendes handwerkliches Können. Er kann sein Studium der Bildhauerei nicht verbergen. Gern hat er Gedichte und Illustrationen in Mappen verbunden, wie im Moner Tagebuch.
Seine Tuschzeichnungen, Algraphien oder Lithografien lassen eine große Bandbreite bei der Beherrschung künstlerischer Techniken erkennen. Grass verleiht Motiven aus seinem Alltag ebenso Würde und Eleganz wie Illustrationen zu seinen Schriften.
Seine Skulpturen zeigen einen eigenen Stil. Es sind schwere Bronzewerke, die fest auf dem Erdboden stehen und sich zwischen Figürlichkeit sowie Abstraktion bewegen. Günter Grass ist als Bildhauer ein Großer in seiner schlichten Art, die in Schriftsprache umgesetzt ebenso seine Bücher prägt.

Das gesamte Werk von Günter Grass ist frei von groben, plakativen Elementen. Sein künstlerischer Anspruch erscheint zunächst elegant, präzise und vordergründig unemotional. Umso tiefer geht die Kraft seines gefühlsmäßigen Ausdrucks in seinen Zeichnungen, Radierungen, Skulpturen und Worten bei näherer Auseinandersetzung mit seinen Werken. Grass war emotional stark berührbar und hat diese Berührbarkeit bis hin zur Verletzlichkeit in seine Kunst eingebracht.
Nutzen wir diese Gelegenheit, an den großen Künstler zu erinnern und in aller Stille seines Geburtstages im Oktober zu gedenken. Sie finden bei uns im Kunsthandel Koenen ART NETWORK Shop noch wenige Werke von Günter Grass. Hier lohnt sich ein Besuch auf der Grass-Seite.



